Medebacher Bucht - "Toskana des Sauerlandes"
"Die Medebacher Bucht gehört zu den schönsten und wertvollsten Landschaften, die wir in Nordrhein-Westfalen haben", erklärte die damalige Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn
Die wärmebegünstigte Medebacher Bucht im Südosten des Hochsauerlandkreises profitiert vom Regenschatten des rund 800 m hohen Rothaargebirges. Mit einer Jahresmitteltemperatur von etwa 7,5 °C und nur 700 mm Niederschlag trägt die halboffene, sanfthügelige Landschaft (400 – 775m) ihren Kosenamen – Toskana des Sauerlandes – also wirklich zurecht.
Die geringe Bodenkrume auf schieferhaltigem Gestein ließ über Jahrhunderte eine kleinparzellierte Kulturlandschaft mit vielen Lebensräumen wie Feuchtwiesen und artenreichen Mähwiesen, Bergheiden und Ginsterköpfe, Hecken und blütenreiche Wegrainen entstehen.
Sie sind Heimat für viele heute gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Das gleiche gilt auch für die ausgedehnten Buchenwälder und intakten Fließgewässer, die ein Stück ursprüngliche Landschaft repräsentieren.
Europäisches Vogelschutzgebiet
Europäische Vogelschutzgebiete und die Naturschutzgebiete der FFH - (Fauna, Flora, Habitat) Richtlinie sind die Diamanten des europäischen Naturschutzes. Jeder Staat der Europäischen Gemeinschaft hat seine besten Gebiete als Bausteine eingebracht. Zusammen sind sie die Kronjuwelen - das europäische Schutzgebietsnetz NATURA 2000. Das Vogelschutzgebiet Medebacher Bucht mit seinen 5 FFH-Gebieten gehört dazu.
Es sind die „Nuhnewiesen, Wache und Dreisbachtal“, „Liesetal und Hilmesberg“, „Waldreservat Glindfeld mit Orketal und Nebentälern“, „Wissinghauser Heide“ sowie „Kahle Pön“.
In diesem Rahmen sind bereits vier Naturwege in der Region Medebach-Hallenberg entstanden, auf denen die Besonderheiten der Natur zu entdecken sind. Zu jedem dieser Wege gibt es einen separaten Flyer, der in den Touristiken erhältlich ist.
Tier- und Pflanzenwelt
Grünland ist heute die dominierende landwirtschaftliche Nutzung. Auf ehemaligen Ackerstandorten wird auf Vielschnittwiesen das Futter für die Milchkühe gewonnen. Früher wurde das wenige Grünland nicht gedüngt, spät gemäht und mit wenigen Tieren beweidet. Artenreiche, blütenbunte Wiesen waren das Ergebnis. Vögel wie das Braunkehlchen, typische Schmetterlinge wie der Dukatenfalter und Heuschrecken wie der Warzenbeißer sind an diesen langsamen Herzschlag der bäuerlichen Kulturlandschaft angepasst. Kleine Heideflächen und Ginsterköpfe bereichern das Landschaftsbild zusätzlich. Hecken und Gebüsche bieten Neuntöter und Raubwürger Lebensraum. In der Medebacher Bucht sind sie noch zahlreich vertreten.
Vor mehreren tausend Jahren weitete sich der Ackerbau aus den vorderasiatischen Steppen in unsere Region aus. Mit dem Transport des Getreides reisten als blinde Passagiere bislang nicht heimische Ackerwildkräuter in unsere Region ein. Kornblume, Klatschmohn und Ackerlöwenmaul gehören ebenso zu dieser Lebensgemeinschaft wie Rebhuhn, Wachtel und Feldlerche. Diese hat in der Medebacher Bucht ihre höchsten Brutpaarzahlen in NRW.
Bäche sind auch ein Stück Urnatur. Zwar wurden sie vom Menschen verändert und verlegt. In der Medebacher Bucht gibt es sie aber noch naturnah als Lebensraum für Eisvogel, Wasseramsel, Mühlkoppe und blauflügeliger Prachtlibelle - mit Steilwänden und Kiesbänken.
Buchenwälder sind unsere naturnahesten Lebensräume. Im Glindfelder Wald und weiteren Wald-Naturschutzgebieten kommen Schwarz- und Grauspecht, aber auch Raufusskauz und Schwarzstorch vor. Die Buchenwälder treten weltweit nur in Mitteleuropa auf. Wir haben daher für den Erhalt dieser Lebensgemeinschaft eine besondere Verantwortung. Der Rotmilan, auch Gabelweihe genannt, ist der Charaktervogel der halboffenen, strukturreichen Kulturlandschaft. Sein Verbreitungsgebiet deckt sich weitgehend mit dem der Buche.
Mehr Informationen über die Medebacher Bucht, auch zu den einzelnen Arten und Gebieten, finden Sie in den Ausstellungen der Info-Zentren Medebach und Hallenberg und auf der Internetseite www.medebacher-bucht.de.